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Alte Briefe

ALTE BRIEFE
 

Die Schönheit alter Briefe:

Auszug aus der Jubiläumszeitschrift "Die Hertener Lupe"
Nr. 23 - Ausgabe Juli 2008


 

Karsten Wildschütz

Die schriftlichen Überlieferungen aus vergangenen Jahrhunderten geben uns ganz selten Mitteilungen über die Menschen, welche diese „Manuskripte“ (im übertragenen Sinn „mit der Hand geschrieben“) erschaffen haben. Es waren in den meisten Fällen Angehörige des Berufsstandes der „Schreiber“. Wir als Philatelisten, Postgeschichtler und Sammler posthistorischer Dokumente sind in der außergewöhnlich glücklichen Lage, alte Briefe in unseren Sammlungen zu haben, oder diese zumindest von der postgeschichtlichen Seite her verstehen und beschreiben zu können. Das soll aber nicht das Thema dieser kurzen Abhandlung sein. Ich möchte Ihren Blick – frei von jedem Hinter-grundwissen – ausnahmslos auf das mit den Augen wahrnehmbare Bild von alten Briefen lenken. Das, was Sie beim Betrachten dieser Stücke sehen, ist das, was uns der Schreiber der Briefe von sich und über sich selbst hinterlassen hat: seine Handschrift, sein künstlerisches Empfinden z. B. in der Blatteinteilung. Ganz selten hat uns der Brief-schreiber, der je zumeist nicht der Autor oder Absender gewesen ist, seinen Namen hinterlassen, noch seltener finden wir etwas aus seiner Biographie. Der Auftraggeber und Verfasser, meist eine hochgestellte Persönlichkeit, setzte lediglich seinen Namenszug, seine Unterschrift unter den vom Kanzleischreiber geschriebenen Text, bei wichtigen Briefen mit dem angehängten Kürzel „mpp“ (manu propria = (lat.) mit eigener Hand, eigenhändig).
Ich möchte Ihnen Briefumschläge (Briefvorderseiten) aus einem Zeitraum vom 16. bis zum 19. Jahrhundert vorstellen, also aus vier Jahrhunderten. Die älteren davon sind in der damals üblichen deutschen Kanzleischrift geschrieben, bei den jüngeren sehen Sie schon eine, für den in alten Schriften ungeübten Leser besser lesbare, der lateinischen Schrift ähnliche Variante. Sütterlinschrift, wie oft fälschlich angenommen, sehen Sie bei so alten Briefen nicht. Obwohl es natürlich reizvoll ist, alle Texte – auch die älteren – lesen zu können, ist es meine Absicht, Ihr Augenmerk auf das Gesamtbild des Briefes zu richten. Ich möchte erreichen, daß Sie sich an der Schönheit jedes einzelnen Briefes erfreuen können. Deshalb habe ich die Darstellungen so gestaltet, daß der Brief jeweils im Mittelpunkt steht, dementsprechend wurden die textlichen Beschreibungen so knapp wie möglich gehalten.
Kunstliebhaber und andere musisch Interessierte erfreuen sich an Gemälden, alten Drucken, Graphiken usw. Warum soll das gleiche nicht auch bei alten Briefen möglich sein? Meine Philosophie sieht in dieser Hinsicht so aus, daß ich jeden dieser alten Briefe als wertvollen Zeitzeugen aus längst vergangener Zeit betrachte, und das sowohl in historischer, als auch in künstlerischer Hinsicht. Und wenn ich den einen oder anderen Leser und Betrachter der vorliegenden Darstellung überzeugen kann, sich meiner Meinung anzuschließen, würde mich das mit großer Freude erfüllen. Ich vertrete seit langer Zeit immer wieder lebhaft meine These, daß wir als Sammler die uns anvertrauten postgeschichtlichen Dokumente pflegen und beschreiben sollen, uns für eine begrenzte Zeit daran erfreuen können, um sie dann irgendwann einmal in die Hände der nach uns kommenden Generation zu übergeben.


 
Der Briefinhalt handelt von einem Rechtsstreit unter den Brüder der „Grafen zu Castell“.

Dem Wolgebornen Heinrich Graven und Herrn zu Castell, unsrem freundlich Lieben Bruder 



 
- 1625 -
Botenbrief aus dem Dreißigjährigen Krieg mit Berichten über die Aufstellung der Armee des kaiserlichen Feldherrn Wallenstein.

Dem Hochwolgebornen Graven und Herrn, Herrn Gottfrieden, Grave und Herrn zu Castell, unserm gnedigen Herrn. 



 
Dieser Brief trägt die Unterschrift des Herzogs von Sachsen, Engern und Westfalen und wurde an die Verwalter des von kaiserlichen Truppen unter Tilly besetzten Landes Hadeln geschrieben.

Den Ehrnvesten Manhaften undt Wolgelahrten, Unsern Grafen, Rath, undt gerichts Secretatio Unsres Erblandes Hadeln undt lieben getreuen Hanß Nicolauß Fuchsen undt Paulo Beckeren.  



 
- 1681 -
Schnörkelbrief aus Celle nach Dannenberg 



 
- 1715 -
Botenbrief nach Hannover

Konnte der Bote oder Briefträger wohl lateinisch lesen? 



 
- 1726 -
Kalligraphisch sehr schöner Brief nach Medingen 



 
- 1730 -
Botenbrief nach Verden an der Aller 



 
- 1749 -
Postalisch beförderter Brief nach Hannover 



 
- 1750 -
Sogenannter „Königsbrief“ aus Kopenhagen nach Hannover 



 


Der Brief wurde auf dänischem Gebiet bis Hamburg wahrscheinlich per Boten befördert und dort der Königlich Hannoverschen Post übergeben.

Umschrift des großen königlichen Siegels (übersetzt):
Friedrich V. von Gottes Gnaden, König von Dänemark, Norwegen, der Wenden und Goten, Herzog von Schleswig, Holstein, Storman und Dittmarschen, Graf von Oldenburg und Delmenhorst.

Denen Wohl und HochEdelgebohrnen, Königl Grosbritannisch zur Churfürstl. Braunschw. Lünebg. Justitz Cantzeley, verordnete Directori und Räthe, Unsern Hochgeehrten Herren / Hannover


 
- 1776 -
Mit der Post beförderter Brief nach Gifhorn

Wer etwas auf sich hielt, sprach und schrieb französisch.

An Herren, Herren Plate und Lepper, Landvogt und stellvertretender Landvogt Seiner Majestät des Königs von Großbritannien zu Gifhorn 



 
- 1805 -
Brief aus dem französisch besetzten Hannover nach Paris
„per DDorff“ (über Düsseldorf)

PAYS D’HANNOVRE R4 (Land Hannover, Rayon 4)
BASSE SAXE (Niedersachsen) 



 
- 1842 -
Paketbegleitbrief für einen Beutel mit 200 Thalern
von Celle nach Göttingen 



 
- 1846 -
Brief aus St. Petersburg nach Liebenburg im Königreich Hannover 



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